< Software soll schöner werden
29.11.2006 10:25 Alter: 4 yrs
Von: Frankfurter Allgemeine Zeitung (22.11.2006)

Plattner plädiert für bequemere Software


Hasso Plattner spricht Millionen Computernutzern aus dem Herzen: Die Entwickler von Software programmieren oft am Bedarf der Kundschaft vorbei, da werden Funktionen hineingepackt, die keiner braucht. Auf Attraktivität und Verständlichkeit der Benutzeroberfläche werde zu wenig Wert gelegt, monierte Plattner in seiner Rede anlässlich des 20. Geburtstages der Softwareberatungsfirma HPC aus Weinheim. HPC steht übrigens nicht für Hasso Plattner Consulting. Der HPC-Chef Josef Heck war einer der ersten Mitarbeiter von SAP nach der Unternehmensgründung. In seiner Schelte über die Entwickler, schloss Plattner den von ihm mitgegründeten SAP-Konzern nicht aus.

Die Attraktivität der Softwareoberfläche könne verbessert werden, ist er sich sicher. Hier würden manchmal zu viele Informationen angezeigt, mit denen der Nutzer wenig anfangen könne. "Design und Engineering haben noch nicht richtig zusammengefunden in der Software", hat er die entscheidende Lücke ausgemacht. er rät, die Designer früher in die Entwicklung von Programmen mit einzubinden, auch wenn es zwischen den beiden durchaus zu Reibereien kommen kann. Denn Entwickler und Designer geraten wegen unterschiedlicher Sichtweisen schon mal aneinander, weiß Plattner, der bei SAP als Vorstandschef lange auch die Rolle des Chefingenieurs in der Softwareplanung innehatte. Heute ist er Aufsichtsratschef und noch immer Softwarebearter.

Den Softwareentwicklern empfiehlt er, nicht nur im stillen Kämmerlein zu sitzen, sondern auch zu den Kunden rauszugehen, und sich deren Nutzerverhalten anzuschauen. Dann könnten sie auch Software entwickeln, die auf die Kund-schaft zugeschnitten ist. Software soll nach seiner Ansicht "außen nach innen" entwickelt werden. Das heißt, es wird erst das Design für den Bildschirm entworfen und ddann die Funktionen dazu entwickelt. Bei SAP werde das andersherum gemacht, auch er habe früher so entwickelt, merkte Plattner selbstkritisch an.

Auch bei der Zusammensetzung von Entwicklungsteams habe er dazugelernt. Heute wisse er, dass man sie am besten fakultätsübergreifen besetzt. Da sitze der Biologe neben dem Ingenieur, und keiner könne zu sehr in seinen Fachjargon verfallen und unverständlich werden. Design ist nach Plattner Auffassung auch nichts, was für die Ewigkeit entworfen werde. 15 Jahre alte Software müsse auch im Design überarbeitet werden. In Amerika finanziert Plattner das nach ihm benannte Institute of Design an der Stanford-Universität mit. Ähnliches plant er für das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystem-technik in Potsdam. Eine persönliche Erfahrung mit Unzulänglichkeiten von Design und Funktion machte er kürzlich in Berlin. Da habe ein Ingenieur einen tollen Ticketautomaten konstruiert. Aber dann stehe einer wie er in der Berliner U-Bahn fünf Minuten davor und frage sich: "Bin ich zu blöd, dass ich das nicht sofort bedinen kann?" (mir.)